Nachruf Gerd Dürrwächter
  09.03.2022 •     Verband , Freundeskreis


Trauer um Gerd Dürrwächter (22.12.1928 - 01.03.2022)

Nachruf Gerd Dürrwächter

Der deutsche Volleyballsport trauert um einen seiner ganz Großen. Prof. Dr. Gerhard Dürrwächter ist am 01.03.2022 im 94. Lebensjahr an seinem Alterssitz in Tübingen friedlich eingeschlafen. Er hat sich in ausserordentlicher, vielfältiger Weise für Volleyball eingesetzt, als Volleyballpionier in seiner langjährigen Heimat Freiburg, als Organisator und Chef des Südbadischen Volleyballs, als Autor, Trainer, Schiedsrichter und auch als Präsident des Deutschen Volleyball-Verbandes. Er war bis zuletzt ein Volleyballer mit Leib und Seele. 

Gerhard Dürrwächter wurde am 22.12.1928 in Sulzbach a. d. Murr geboren. In der nahen Kreisstadt Backnang hat er die Oberschule besucht und das Abitur abgelegt. Es folgte das Studium der Biologie an der Universität Freiburg mit abschließender Promotion als Zoologe. Er wurde Gymnasiallehrer. Auf Grund seiner besonderen Expertise als Pädagoge und Biologe war er langjährig Ausbilder und Professor am Studienseminar für Lehrkräfte. 

In seiner Laufbahn als aktiver Sportler war er unter anderem von 1954 bis 1957 badischer Meister im Zehnkampf. Im Volleyball gehörte er zu den ersten Leistungssportlern. Er war als Kapitän der Volleyball-Nationalmannschaft 1958 Teilnehmer an den Europameisterschaften. Bereits in den 50er Jahren entwickelte er im Badischen Turnerbund den Spielsport Volleyball und wurde zum Leiter des bei den Turnern beheimateten DVV-Landesverbandes Südbaden. 1971 hat er maßgebend dazu beigetragen, den selbständigen Südbadischen Volleyballverband aus der Taufe zu heben. Naheliegend und unumstritten wurde er dessen 1. Vorsitzender und später dessen Präsident. 1991 gab er das Amt auf. In großer Dankbarkeit und Anerkennung seiner Aufbauleistungen wurde er zum Ehrenpräsidenten ernannt. 

Im Deutschen Turner-Bund war Gerd Dürrwächter in den 60er Jahren Bundesfach- und Lehrwart. Seine Ambitionen als Schiedsrichter wurden 1970 mit der Internationalen Lizenz belohnt. Er hatte bis zum Erreichen der Altersgrenze 1985 internationale Einsätze. Von 1977 bis 1979 war er in einer schwierigen Übergangsphase Präsident des Deutschen Volleyball-Verbandes, zu dessen Ehrenmitglied er 1991 ernannt wurde.
 
Seine Ehefrau Hildegard, geb. Koepp, war ihm eine kongeniale sportliche Weggefährtin. Sie war 1958 Mitglied der Volleyball-Nationalmannschaft, 1958 und 1959 Deutsche Hochschulmeisterin  im Geräteturnen und 1960/61 Deutsche Meisterin im Trampolinspringen. Es folgten lange Volleyballspieljahre bei der Freiburger Turnerschaft und dem USC Freiburg. Mit ihrer Freiburger Seniorinnenmannschaft hat sie über Jahrzehnte mit großem Erfolg an den Deutschen Seniorinnenmeisterschaften teil genommen. Beide spielten leidenschaftlich gern Tennis und fuhren Ski. Als die Asthmabeschwerden bei Gerd zunahmen, wählten sie den Sommerwohnsitz im hochgelegenen Phoenix/Arizona. Dort wurden beide zu begeisterten und erfolgreichen Golfspielern und blieben dies bis ins hohe Alter. 
 
Gerd Dürrwächter hat seine große und breite Expertise im Fach Sport und dort vor allem in der Sportspieldidaktik publizistisch genutzt. Sein Standardwerk „Volleyball spielend lernen – spielend üben“ ist 1967 erschienen. Später hat er sich an der wegweisenden Publikation „Die Großen Spiele“ beteiligt. Sein Beitrag widmete sich „seinem“ Volleyballspiel. Er hat schon damals mit der Überschrift „Volleyball – ein Spiel für alle“ verdeutlicht, welche Bedeutung Volleyball als attraktives Spiel für den Breiten- und Freizeitsport hat. 

Gerd Dürrwächter hinterlässt zwei Söhne, eine Tochter und drei Enkelkinder.